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Kirchenmusikalische Mitteilungen, Heft 59/Mai 2008:
“Cantate Domino canticum novum” 20 Jahre Choralschola Freiburg
■ Für den Gregorianischen Choral wurde seit seiner Entstehung im 8. Jahrhundert immer wieder geworben. So wählte man bereits bei seiner Einführung im Frankenreich die überragendste Gestalt aller Päpste der vergangenen Zeiten, des Papstes Gregors des Großen als (vermeintlichen) Urheber der römischen Gesänge. Nachdem bereits im 12. Jahrhundert die Bedeutung des Choralgesangs im Zuge der aufkommenden Mehrstimmigkeit stark zurückgegangen war, kam es in der Folgezeit zu Verfälschungen und Verstümmelungen der gregorianischen Melodien, die in der Ausgabe der sog. Medicaea (1614) ihren Höhepunkt erreichten. Zur Zeit der Wiederbelebung des Gregorianischen Gesangs im Kloster von Solesmes versuchte man auch in St. Gallen die Begeisterung für den Choralgesang mit dem „Cantarium Sancti Galli“ (1845) zu wecken: „ … nehmen sich insbesondere die Herren Geistlichen im Vereine mit Lehrern und Musikfreunden der Sache an, so ist der … Choralgesang … in den meisten Landkirchen auszuführen und das weichliche Gewimmer geistloser Opernmessen und der gemeine Unfug unwürdiger Modearien wird von selbst aus unsern Kirchen nach und nach verdrängt werden. Hat selbst Luther sich für die Beibehaltung der alten Gesänge der katholischen Kirche erklärt und dabei bemerkt: es sei schade, wenn diese köstlichen Gesänge untergehen müssten, wie sollten die Katholiken an neue Modeware den großen Schatz der alten Choralgesänge vertauschen können, die in den schönsten Zeiten der Kirche aus der reinsten Begeisterung hervor-gegangen, als eine ihrer schönsten Überlieferungen geachtet und bewahrt zu werden verdienen.“
■ Die Idee von Frank Leenen, dem damaligen Bezirkskantor in Hinterzarten und heutigen Domkapellmeister in Rottenburg, mittels einer Regionalschola den Gregorianischen Choral in denjenigen Pfarrgemeinden lebendig zu erhalten, die keine eigene Schola unterhalten können, wusste die Choralschola Freiburg mit ihren zuletzt 5 Sängerinnen und 3 Sängern erfolgreich in die Tat umzusetzen. Es gelang ihr, während 20 Jahren in 79 Gemeinden der Region Breisgau-Schwarzwald-Baar bei 183 Gottesdiensten und Konzerten mitzuwirken. Besonders häufig wurde die Schola von den Pfarreien St. Leodegar in Schliengen (18mal), Mariä Himmelfahrt in Umkirch (16mal) und St. Martin in Freiburg (13mal) angefordert. Da es der Schola in erster Linie darum ging, Proprium und Ordinarium an ihrem angestammten Platz im Gottesdienst zu singen, blieben reine „Konzerte“ die Ausnahme. Diese kreisten thematisch immer um das Proprium eines bestimmten Tages und wurden durch Gesänge aus dem Ordinarium und Offizium und passende Orgelmusik ergänzt. Zuletzt verzichtete man mit Ausnahme einer Marianischen Antiphon auf weitere musikalische Zutaten und trug stattdessen die zugehörigen Lesungen aus der Tagesmesse und den Psalmpredigten des hl. Augustinus vor. Diese Form wurde von den Zuhörern besonders geschätzt, weil der enge Zusammenhang zwischen Lesungen und Choralgesang in sich versenkender Ruhe erspürt werden konnte.
■ Im letzten Jahr gingen die Anfragen der Gemeinden so drastisch zurück, dass die ursprüngliche Idee der Schola zu verlieren gehen drohte. Mit einem dreimaligen Gregorianischen Abendlob konnten die Terminlücken noch überbrückt werden. Selbst mit der europaweit beachteten Webseite des Scholaleiters ließen sich die Verantwortlichen nicht erreichen. Mit der neu eröffneten Möglichkeit, in der Adelhauser Kirche in Freiburg die Messe in der außerordentlichen Form zu feiern, bietet sich eine Chance, das Anliegen der Choralschola Freiburg fortzuführen. Ob in der lateinischen oder in der volkssprachlichen Form ist bisher nur der Gregorianische Choral in der Lage, das Wort der Messliturgie angemessen wiederzugeben. Denn die in den offiziellen liturgischen Büchern angebotene Möglichkeit, die liturgischen Gesänge durch einen „anderen passenden Gesang“ zu ersetzen, hat jedenfalls im deutschen Sprachraum dazu geführt, dass man die Gesänge in der Liturgie für weitgehend beliebig hält. „Der Gregorianische Choral als Prinzip der Ausführung liturgischen Wortes kann uns nicht zuletzt dieses lehren: Gottesdienst muss von einer gewissen meditativen Langsamkeit geprägt sein, muss den Mitfeiernden eine Zeit geben, dem erklingenden Wort nachzusinnen, seine Affekte zu verkosten“ (Reinhard Messner). Anton Stingl jun.
Inzwischen haben die verantwortlichen Geistlichen in der Adelhauser Kirche in Freiburg die Mitwirkung der Choralschola Freiburg mit Ordinarium und Proprium als zu ausladend abgelehnt.
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